Sprengung war geplant
2020 vermutete der Autor eines Artikel in der „Volksstimme“, der verhängnisvolle Pritzwalker Zug könnte wenige Tage zuvor beinahe eine ähnliche Katastrophe andernorts ausgelöst haben. Am 11. April 1945, also vier Tage vor der Explosion in Pritzwalk, war ein Munitionszug durch das sachsen-anhaltinische Wolmirstedt gefahren.
Da dieser nicht den anrückenden alliierten Truppen in die Hände fallen sollte, war vor Ort eine Sprengung des Zuges durch die SS geplant gewesen. Wolmirstedt konnte dem Ereignis durch das Eingreifen von Einwohnern und Lokführern entkommen (Gudrun Billowie: Was ein Lokführer Wolmirstedt 1945 ersparte; in: „Volksstimme“, 1. September 2020). Der Zug fuhr nach Norden, wo er auf dem Pritzwalker Bahnhof stehen blieb.
Seit 1948 ein Ehrenfriedhof
Am Abend des 2. Mai 1945 kamen sowjetische Truppen aus südlicher Richtung über Buchholz in die Stadt und besetzten diese. Die sowjetische Kommandantur wurde in der ehemaligen Landwirtschaftsbank in der Havelberger Straße, später Poliklinik, eingerichtet.
Zum Gedenken wurden 1948 auf dem Bürgerplatz der sowjetische Ehrenfriedhof, das Mahnmal für die kommunistischen Häftlinge sowie einen Gedenkstein. Zu DDR-Zeiten wurde das Areal regelmäßig für größere Gedenkveranstaltungen mit uniformierten Aufmärschen verwendet, in denen das Opfer der sowjetischen Soldaten bei der Befreiung vom Hitler-Faschismus im Vordergrund stand. Lars Schladitz