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Kemnitz

Steckbrief

 

Einwohner
214 (Stand September 2019)

Ortsvorsteher
Thomas Siegfried

Fläche
11,34 Quadratkilometer

Gemeindeteile
Bölzke und Neu Kemnitz

Das Straßendorf Kemnitz liegt an einer Hauptverkehrsader: Die Bundesstraße 189 verbindet über Pritzwalk führend die Westprignitz mit der Autobahn 24. Das Dorfleben bestimmen unter anderem die Freiwillige Feuerwehr und der Kindertagesstätte „Rappelkiste“. Kemnitz feiert 2020 sein 700-jähriges Bestehen.

Historisches

Funde aus der Steinzeit belegen eine Besiedelung des Gebietes schon vor 9000 Jahren. Mitte des 19. Jahrhunderts werden bronzezeitliche Funde gemacht: So entdeckt man 1853 in einem Hügelgrab verschiedene Grabartefakte. Ein besonderer Fund ist ein bronzener Radfelgenbeschlag, über dessen Bedeutung bis heute gerätselt wird.

 

Erstmals beurkundet wurde das Dorf am 17. Februar 1320, als die Herren von Plaue und andere ihre Güter im Ort „Kemeniz“ und ihre Einnahmen daraus dem Kloster „Theghow“ (Heiligengrabe) überlassen. Der Name ist von der slawischen Bezeichnung für Stein – Kamin – abgeleitet. Gegründet wurde das Dorf als Rundling mit einem freien Platz in der Mitte. Ab 1567 gab es eine Mühle im Dorf.

1819 vernichtete ein Brand fünf Wohnhäuser, neun Familien werden obdachlos. 1824 wird das Schulhaus eingeweiht. 1864 wird die Telegrafenlinie Pritzwalk-Wittstock in Betrieb genommen, die über Kemnitz führt. Die Chaussee Pritzwalk-Wittstock wird im Oktober 1867 eröffnet. 1870 brennt die Mühle ab. 1920 erhält der Ort Elektrizität. 1981 wird die Schule geschlossen und im Gebäude ein Konsum eröffnet. Schon 1984 erfolgt nach einem Umbau wieder die Eröffnung einer Schule.

Kirche

Die Kemnitzer Kirche ist ein Feldsteinbau aus dem beginnenden 14. Jahrhundert. Das Schiff war ursprünglich holztonnengewölbt, später flachgedeckt. Über dem Westgiebel thront ein hölzerner Rechteckturm mit verschiefertem Aufsatz und barocker Schweifhaube. Erst 1824 wurde die Treppe zum Turm nach innen verlegt.

 

Der Altar stammt aus der Spätrenaissance, um 1700 erhielt er einen barocken Altaraufsatz. 1907 hatte der Turm noch drei Glocken, eine große von 1726 und zwei kleinere. Die mittlere Glocke wurde 1917 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Die Orgel von Friedrich Hermann Lütkemüller aus Wittstock stammt von 1892 und wurde 2010 restauriert.

Wirtschaft

Ende des 17. Jahrhunderts bestimmt die Landwirtschaft das Dorfleben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es zwei Landwirte, zwei Gastwirte, einen Müller, einen Schmiedemeister, einen Stellmacher, einen Zieglermeister, eine Zementfabrikantin, einen Maurer und weitere Handwerker im Ort. 30 Jahre später sind 27 Kemnitzer in Industrie und Handwerk tätig.

 

1953 wird die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Typ III „Freier Bauer“ mit 29 Mitgliedern und 165 Hektar Land gegründet. Ab 1960 gibt es außerdem die LPG Typ I „8. März“, beide zusammen haben 140 Mitglieder und bewirtschaften 821 Hektar. Im selben Jahr erfolgt der Zusammenschluss mit der LPG Typ III aus Bölzke. 1975 wird die LPG Typ III mit der LPG Tierproduktion in Pritzwalk vereint.  

 

1995 wirtschaften der Unternehmensverbund PBK Hähnchenmast und PBK Marktfrucht und Milch in Kemnitz. Heute sind beim Handelsregister in Neuruppin die Holz- und Bautechnik Kemnitz GmbH und die PBK Marktfrucht und Milch GmbH registriert. Außerdem gibt es zwei Anbieter für Ferienwohnungen in Kemnitz.

Kinder und Jugend

Die Kita „Rappelkiste“ am Kemnitzer Gemeindehaus sorgt für Trubel im Dorf. Der 1988 eröffnete Dorfkindergarten bietet 26 Plätze. Die Kita ist ausgelastet. Fünf Mitarbeiterinnen und eine Auszubildende betreuen die Kinder. Viele Projekte und Aktivitäten werden zusammen mit den Eltern und örtlichen Unternehmen veranstaltet.

 

Kommunales

Bis 1816 gehörte der Ort zum Kreis Pritzwalk in der Provinz Prignitz. Danach wird der Ort dem Kreis Ostprigniz mit der Kreisstadt Kyritz zugeordnet. Seit 1952 ist Kemnitz Teil des Kreises Pritzwalk im Bezirk Potsdam. Ab 1993 gehört die damals eigenständige Gemeinde zum Landkreis Prignitz. Mit der Gemeindegebietsreform 2002 wird Kemnitz ein Ortsteil der Stadt Pritzwalk.

Feuerwehr

Die Ortsfeuerwehr von Kemnitz wurde 1933 gegründet, was in großen Buchstaben am kleinen Gerätehaus an der Dorfstraße zu lesen ist. Ortswehrführer Mario Bock kann auf eine Mannschaft mit 15 aktiven Wehrmitgliedern, davon fünf Frauen, zurückgreifen. Die Wehr besitzt ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) und alle Kameradinnen haben den Abschluss der Truppmann Ausbildung 2 und die Kameraden mindestens die Qualifikation Truppführer. Außerdem gibt es in der Ortswehr qualifizierte Gruppen- und Zugführer. 2018 feierte sie das 85-jährige Bestehen mit einem großen Festumzug.

Besonderes

Auf einem Feld wird am 7. November 1726 der Küster Schulze von zwei Knechten erschlagen. Seitdem gibt es einen Küsterberg hinter Kemnitz.

 

Am 5. April 1899 wird in Kemnitz ein Aufsehen erregender Fund gemacht. Beim Brunnenbau stößt man auf drei mit Geld gefüllte Töpfe. Die 140 deutschen, österreichischen, schwedischen und dänischen Münzen stammen mutmaßlich aus der Zeit des 30-jährigen Krieges und wurden vielleicht dort versteckt.

 

Quellen: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil I, Prignitz, 1997; Pritzwalker Heimatblätter, Heft 18, „700 Jahre Kemnitz“ von Christine Harney; Wikipedia, Stadt Pritzwalk, Evangelischer Kirchenkreis Prignitz