Pritzwalk. Eine märchenhafte Lichtinstallation und stimmungsvolle Lieder zweier Chöre sorgten am Samstag beim Festgottesdienst in der Sankt-Nikolai-Kirche für emotionale Momente. Pfarrerin Susanne Michels und Bürgermeister Dr. Ronald Thiel hatten die Gäste am Hauptportal der Kirche, die das älteste Gebäude der Stadt ist, begrüßt. Sie wurden im Inneren von einem Meer aus Kerzen empfangen. Pritzwalk eröffnete das Festjahr zu 770 Jahre Ersterwähnung.
Die Predigt von Pfarrerin Susanne Michels und die Festrede von Bürgermeister Dr. Ronald Thiel nahmen die Zuhörenden mit auf eine Reise in die Pritzwalker Vergangenheit, die geprägt war vom Miteinander. Dass die Stadt und die evangelische Kirchengemeinde an diesem Tag zum Festgottesdienst einluden, sei ein Symbol dafür, so der Bürgermeister.
Hoffnungsbaum im Südfenster
Pfarrerin Susanne Michels ging auf die Geschichte der Sankt-Nikolai-Kirche ein, die über Jahrhunderte mehrfach neu aufgebaut oder umgestaltet wurde. Zuletzt wurde das im April 1945 zerstörte Südfenster erneuert, das eine Linde zeigt: Sie ist ein Hoffnungsbaum, die ja auch das Stadtwappen prägt.
Bürgermeister Dr. Ronald Thiel umriss in seiner Ansprache die Geschichte der Stadt von der Ersterwähnung bis heute. Einschneidende Ereignisse wie Kriege und Pandemien hätten gezeigt, dass die Pritzwalkerinnen und Pritzwalker in der Lage sind, ihre Stadt gemeinsam immer wieder neu aufzubauen.
Spannend, herausfordernd, hoffnungsvoll
Eine ganz besondere Bedeutung habe dabei die Pritzwalker Bürgerschaft gehabt. Immer wieder sei es ihr gelungen, die Eigenständigkeit Pritzwalks zu behaupten – ob in Rechtsfragen, in wirtschaftlichen Belangen oder im Zusammenleben. „Keine Zeit war belanglos. Jede Epoche war spannend, herausfordernd, manchmal schmerzhaft, oft hoffnungsvoll“, so der Bürgermeister.
Die Stadtgeschichte werde daran gemessen, „ob wir Verantwortung übernommen haben, ob wir unsere Freiheit genutzt haben, um Positives zu gestalten, ob wir das Miteinander gesucht haben – oder das Gegeneinander zugelassen haben“, sagte der Bürgermeister. Er lud mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2026 ein: „Gestalten wir die nächsten Kapitel unserer Stadtgeschichte gemeinsam – mit Zuversicht, mit Respekt voreinander und mit dem Wissen, dass auch unsere Zeit Teil einer langen Geschichte ist.“
Ergreifendes Schlussstück
Predigt und Festrede wurden musikalisch untermalt von den Sängerinnen und Sängern des Prignitz Chores Pritzwalk und vom Chor Klangzauber, die sich auf den gegenüberliegenden Emporen platziert hatten. An der Orgel spielte Kantor Christian Reishaus. Besonders ergreifend war das Schlussstück: Beide Chöre sangen im Kanon unter dem illuminierten Kreuzgewölbe "Laudate omnes gentes" – Preiset den Herrn.
Nach dem Festgottesdienst trafen sich alle vor dem Südfenster, wo an der Feuerschale geplauscht werden konnte. Dazu wurden Bratwurst und Glühwein angeboten. Vorbereitet wurde die festliche Veranstaltung von der evangelischen Kirchengemeinde und dem Citybüro der Stadt.
Mit zauberhafter Illumination und ergreifender Musik mit zwei Chören wurde mit dem Festgottesdienst am 10. Januar 2026 das Jubiläumsjahr eröffnet. Nun startet das Veranstaltungsprogramm. Pfarrerin Susanne Michels und Bürgermeister Dr. Ronald Thiel betonten, wie wichtig in all den Jahrhunderten das gesellschaftliche Miteinander in Pritzwalk war. Fotos: Stadt Pritzwalk