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Stadtmythos: Die Sage des Heine Klemens

Wohl kaum eine Figur hat die Pritzwalker Stadtfolklore so bestimmt wie „Heine Klemens.“ Adolph Friedrich Riedel schrieb 1842 in seiner Geschichte zur Mark Brandenburg:

 

"Am bekanntesten sind die Fehden Pritzwalks mit
Heine Clemen geblieben, wovon auch die Sage
unter den Bewohnern der Stadt und der Umgegend
noch fortlebt. Es wird mit etwas fabelhaftem
Gewande davon erzählt, Heyne Clemen habe die
Stadt unaufhörlich befehdet und den Reisenden in
der Umgegend vielen Schaden gethan. Er sey von
außerordentlicher Stärke gewesen und habe das
große Schwert […] mit Leichtigkeit geführt.“

 

Klemens soll sich in seiner „Klemenskuhle“ im Hainholz versteckt gehalten haben. Von dort aus überfiel er vorbeiziehende Händler.

Die Sage des Heine Klemens wurde als Theaterstück zum 700-jährigen Jubiläume auf dem TRappenberg aufgeführt. Foto: Museum
Mit einer List gelang die Festnahme

Schließlich entführte er ein Pritzwalker Mädchen, welches nach deren Freilassung durch eine List den Standort des Verstecks an die Stadtoberen verriet. Der Räuber wurde gefangen und in Pritzwalk hingerichtet.


Die Geschichte erhielt seit Beginn des 20. Jahrhunderts mehrere Nacherzählungen und Theaterstücke. Während der Inflationszeit 1922 wurde in Pritzwalk eine Reihe künstlerisch gestalteter Notgeldscheine, so genannte Serienscheine, gedruckt. Sie erzählen die Geschichte des Räubers bildlich nach und verfestigten seine Deutung als „Raubritter“ im kollektiven Pritzwalker Bewusstsein.

Illstration von Bernd Streiter aus dem Kinderbuch "Die Legende von Heine Klemens" von Dörte Grimm.
Theaterstück und Kinderbuch

Das Theaterstück „Heine Klemens“ hat 1956 zur 700-Jahr-Feier der Stadt die Freilichtbühne auf dem Trappenberg eingeweiht. Neuinterpretationen von Szenen werden regelmäßig von Schülerinnen und Schülern des Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums vorgeführt – Klemens bleibt im kollektiven Gedächtnis Pritzwalks lebendig. Seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sich ein Kinderbuch von Dörte Grimm mit der Geschichte.

Offizielle Quellen sind nicht erhalten

Die Existenz des Räubers ist bis heute nicht gesichert. Die beiden ältesten Abhandlungen zur Stadtgeschichte von Johann Christoph Bekmann (1753) und Adolph Friedrich Riedel (1842) erwähnten die Sage und zitierten aus dem Fehdebrief an die Stadt – originale Quellen oder Artefakte der Geschichte sind nicht erhalten.

 

Immerhin ließ sich historisch nachweisen, dass die Prignitz im Spätmittelalter ein Schwerpunkt für Züge der „Raubritter“ zwischen Brandenburg und Mecklenburg bis nach Lübeck war. Die zitierten Passagen aus den Briefen deuten an, dass Klemens sich wohl zu Unrecht beschuldigt gefühlt hat – Raum für Interpretationen der Sage gibt es also auch künftig genug. Lars Schladitz