Suche nach der „Burg“: Mit Induktion unter den Bürgerplatz geschaut
Pritzwalk. Bahn für Bahn rollt Dr. Giacomo Roncoroni über die Wiesenfläche auf dem Bürgerplatz: hin – und zurück, hin – und zurück. Er achtet genau darauf, dass er den Abstand einhält. Das Messfeld ist immer 25 Zentimeter breit. Der wissenschaftliche Mitarbeiter untersucht zusammen mit Dr. Philipp Koyan vom Institut für Geowissenschaften an der Uni Potsdam das Erdreich unter dem Rasen des Bürgerplatzes mithilfe elektromagnetischer Induktion und Bodenradar. Hier sollen Reste einer alten Burg schlummern.
Vor Ort hatten sich am Dienstag die beiden Wissenschaftler mit Torsten Geue von der Unteren Denkmalbehörde beim Landkreis Prignitz sowie Museumsleiter Lars Schladitz ausgetauscht. Dieser hatte eine Kopie eines Stadtplans von 1727 dabei, die die Männer nun studieren. Das Original liegt übrigens in der Museumsfabrik.
Kleines Rechteck nahe der Stadtmauer
Damals umschloss die Stadtmauer die kleine Stadt an der Dömnitz. Die ursprüngliche Bebauung ist an dieser Stelle noch erhalten, folgt noch der einstigen Linie der Wehranlagen. Direkt davor ist in der Karte gleich hinter dem Stadtgraben und den Verteidigungswällen ein kleines Rechteck eingezeichnet: „Rudera einer alten Burg“ steht dabei. Rudera bedeutet Ruine. Ob es sie wirklich gibt, das soll im Jubiläumsjahr zu 770 Jahre Ersterwähnung der Stadt Pritzwalk erkundet werden.
Dr. Philipp Koyan untersucht mit seinem Kollegen den Boden mit geophysikalischen Methoden, die den Untergrund nahezu unberührt lässt. Die Messeinrichtung ist auf einem zweirädrigen Wagen montiert und wird über das Erkundungsfeld gezogen.
Über einen Laser ist sie mit dem Empfänger verbunden. Sie zeichnet Veränderungen des Erdmagnetfeldes auf, die verschiedene Materialien – zum Beispiel Steine, Ziegel oder Metalle – im Boden auslösen. So lassen sich Rückschlüsse zum Beispiel auf im Boden verborgene Bauwerke ziehen. In einem zweiten Schritt überprüfen sie die gleiche Fläche mit dem ebenfalls auf einem Wagen montierten Bodenradar – dieses ermittelt genauere Daten.
Vortrag in der Museumsfabrik
Der Potsdamer Wissenschaftler erläuterte die modernen Messmethoden wie wie Geomagnetik, Georadar und elektromagnetischer Induktion am Mittwochabend in einem Vortrag in der Museumsfabrik Pritzwalk. Dr. Philipp Koyan ging dabei auch auf die Suche nach der „Burg“ unter dem Bürgerpark ein.
Bis zu drei Meter tief können Daten erfasst werden. Erst wenn alles zusammengesetzt ist, lässt sich erkennen, was unter dem Rasen schlummert. Am Ende verbringe man viel mehr Zeit mit der Datenverarbeitung als mit der Magnetik, sagt der Geologe. Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September gibt es gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde des Landkreises Führungen vor Ort: Dann werden auch die Ergebnisse der Untersuchungen vorgestellt.
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