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Herbert Quandt – große Persönlichkeit der Stadt Pritzwalk

 

Herbert Quandt

 

 

In der Prignitz legte die Unternehmerdynastie Quandt den Grundstein für ihren Erfolg. Herbert Quandt, viel bewunderter Manager und Urgestein der Wirtschaftswunderjahre, ist gebürtiger Pritzwalker. Ihm zu Ehren trägt die Grundschule am Hainholzweg seinen Namen.

 

Erfolgreich, aber unauffällig
Herbert Quandt: 1910 in Pritzwalk geboren, einer, der immer große Ziele vor Augen hatte und sie konsequent verfolgte. Er war einer der wichtigsten Köpfe einer Wirtschaftsdynastie, die auch heute noch zu den führenden in Deutschland und Europa zählt.

 

 Die Quandts - das waren und sind Entscheider und Macher, millionen- und milliardenschwer dank gewichtiger Beteiligungen etwa am Automobilkonzern BMW oder am Chemiekonzern Altana. Sie sind erfolgreich, aber unauffällig in der Außenwirkung. Schriller Auftritt in den Klatschspalten der Regenbogenpresse? Fehlanzeige, denn Zurückhaltung ist oberstes Gebot.

 

Die Quandts siedelten sich um 1700 in der Prignitz an und machten Pritzwalk zu ihrer Heimat. Emil Quandt (1849-1914) begründete die unternehmerische Tradition der Familie, indem er 1880 die Pritzwalker Tuchfabrik Gebrüder Draeger übernahm. Die Quandt'sche Tuchfabrikation - unter anderem Lieferant für die kaiserliche Marine - brachte Arbeitsplätze, Brot und Wohlstand in das überschaubare Städtchen und legte die Grundlagen für die spätere Bedeutung und den Reichtum der Familie. Das Erwirtschaftete in der Dynastie halten, den potenziellen Nachfolger in den eigenen Reihen suchen, die Entscheidung über Wohl und Wehe nicht nach außen geben - das alles ist Quandt'sche Tradition.

 

Start einer beispiellosen Karriere

Emil Quandt schaffte den Aufstieg vom Gehilfen zum Unternehmer und ließ seinen Sohn Günther zunächst eine Ausbildung in der Textilindustrie absolvieren, bevor dieser als Prokurist Verantwortung in der väterlichen Firma übernahm. Es ging steil nach oben, schon 1909 war Günther Quandt Leiter mehrerer Tuchfabriken in seiner Heimatstadt, später schuf er sich mit seinem Engagement in der aufstrebenden Akkumulatorenindustrie ein zweites Standbein.

 

Aus seiner Ehe mit Antonie Ewald, die bereits 1918 an der Spanischen Grippe starb, gingen die beiden Söhne Hellmut, geboren 1908, und Herbert, geboren 1910, hervor. Natürlich war der Erstgeborene als Nachfolger und Haupterbe auserkoren, zumal Herbert Quandt sich bereits früh darauf eingestellt hatte, in der Landwirtschaft, etwa als Pferdezüchter, zu arbeiten. Sogar ein entsprechendes Anwesen, Gut Severin bei Parchim in Mecklenburg, war bereits gekauft. Doch das Schicksal entschied anders, es schlug unerbittlich zu: 1927, im Alter von nur 19 Jahren, starb Hellmut. Nun war es Aufgabe von Herbert, an der Seite seines Vaters das Unternehmen „Quandt" voranzutreiben - es war der Startpunkt einer beispiellosen Karriere.

 

Im Alter von 20 Jahren begleitete Herbert seinen Vater auf einer langen Weltreise, ging in die „Lehre" bei verschiedenen Firmen, verschaffte sich ein umfassendes Wissen über wirtschaftliche Vorgänge und technische Neuheiten. Das Pensum war nur mit einer beständigen, brennenden Neugier zu bewältigen.

 

1933 dann trat er, gerade 23 Jahre alt, in die Zentrale der Accumulatorenfabrik AG (AFA) ein und schaffte 1940 bereits den Sprung in den Vorstand jener Firma, die später als Varta AG Weltgeltung erlangte. Jetzt war endgültig klar: Herbert Quandt war der Kronprinz der Dynastie, und später zeigte sich, dass er die in ihn gesteckten Erwartungen mehr als erfüllte.

 

Persönlichkeit aus Pritzwalk

„Unternehmerpersönlichkeit" - wenn dieses Prädikat auf jemanden zutrifft, dann auf den gebürtigen Pritzwalker. Die legendären Wirtschaftswunderjahre in Westdeutschland, für ihn sind sie kein „Wunder", sondern die Früchte harter Arbeit, sozialpolitischer Kompetenz und einer geradezu traumwandlerischen Sicherheit und Weitsicht bei großen Entscheidungen.

 

Ein Beispiel wurde legendär, und das zu Recht: Ende der 1950er Jahre standen die Bayerischen Motorenwerke (BMW) vor dem Ruin, die Übernahme durch den schwäbischen Konkurrenten Daimler-Benz war so gut wie abgemacht. Doch Herbert Quandt sicherte durch die Übernahme eines großen BMW-Aktienpakets - unter enorm hohem eigenem finanziellem Risiko - die Unabhängigkeit des traditionsreichen Automobil- und Motorradproduzenten. Der Rest ist Geschichte: BMW setzte zu einem Spurt an, der die Firma letztlich zum ebenbürtigen Premium-Hersteller machte. Auch heute hält die Quandt-Familie ein BMW-Aktienpaket von knapp unter 50 Prozent.

 

1982 starb Herbert Quandt, er hinterließ, wie es so schön heißt, ein „wohlgeordnetes Haus". Seine spezielle Unternehmensphilosophie, nämlich großzügige Entscheidungsräume für die Mitarbeiter und die Pflege von Innovations- und Gründergeist, sicherten den langfristigen Erfolg seines Firmenimperiums. Das sozialpolitische Engagement Herbert Quandts wird in einer Stiftung fortgesetzt, die seinen Namen trägt und zwei Schwerpunkte hat. Zum einen beschäftigt sie sich mit Zukunftsfragen von Gesellschaft und Politik, zum anderen fördert sie die interreligiöse Begegnung sowie Austausch und Kooperation zwischen Deutschland und dem Nahen Osten, sowohl im Journalismus wie auch im Schulwesen.

 

(Aus: Journal. Kundenmagazin der Stadtwerke Pritzwalk GmbH 3/2007. Redaktion Claudia Barner und Jens Bey)

 

Weitere Informationen zur Geschichte der Familie Quandt bei:
Rüdiger Jungbluth: Die Quandts. Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten Wirtschaftsdynastie Deutschlands, Frankfurt am Main 2002 und unter www.zeit.de/2007/47/Quandt