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Fabriken in der Streusandbüchse

Skyline mit Schornsteinen: Der Stich von 1858 zeigt Pritzwalk in der Industrialisierung. Quelle: Museumsfabrik

1851 war es so weit: die erste Pritzwalker Dampfmaschine nahm zischend ihren Betrieb auf. Standort war die unscheinbare Tuchfabrik der Gebrüder Draeger in der Schützenstraße. Beim Betrieb des kohleschluckenden Ungetüms sollen die Wände des alten Fachwerkhauses gebebt haben. In Berlin und auch anderswo in Preußen war die Industrialisierung da schon in vollem Gange. Doch bis nach Pritzwalk war es ein beschwerlicher Weg.

 

Die Eisenbahn brachte Tempo

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten preußische Chausseen Pritzwalk. 1885 folgte die Eisenbahn mit der Eröffnung des Pritzwalker Bahnhofes. Von weitem begrüßte eine wachsende Anzahl von Schornsteinen anreisende Gäste. Sie wurden als Symbole des Fortschritts gesehen.


Neben Waren kamen auch mehr Menschen in die Stadt – bis 1910 wuchs Pritzwalk auf 8000 Einwohner an. Die wachsende Bevölkerung wollte versorgt werden. Die Prignitzer Landwirtschaft wurde, auch dank neuer Düngemittel wie Guano aus Südamerika, intensiver. Die Schafzucht wurde im 19. Jahrhundert weitgehend verdrängt. Kartoffeln und Getreideprodukte wurden über die Bahnverbindungen ein gefragtes Exportgut. Für die mechanisierte Landwirtschaft der Prignitz etablierten sich Landmaschinenfabriken wie die Firma Ewald am Pritzwalker Bahnhof.

 

Wichtigste industrielle Arbeitgeber

Die Tuchfabriken blieben die wichtigsten industriellen Arbeitgeber. Neben der Tuchfabrik Draeger, ab 1858 auf der Dömnitzinsel im Norden, versuchten auch andere Fabrikanten ihr Glück im Textilgewerbe. Die Tuchfabrik Gebrüder Rensch am Meyenburger Tor und die Tuchfabrik Abel in der ehemaligen Walkmühle am Burgwall mussten jedoch schließlich unter dem wachsenden Druck aufgeben.


Zur Jahrhundertwende war die Tuchfabrik am Meyenburger Tor die letzte in Pritzwalk. Die Wasserqualität der Dömnitz litt stark unter der Industrialisierung. Düngemittel und ungeklärte Abwässer aus der Industrie sorgten über Jahrzehnte für ein weitreichendes Fischsterben und ungesunde Wasserbelastung. Der Fortschritt stand meist über der Sauberhaltung der Umwelt.

 

Blütezeit der Architektur

Baulich brachte die Periode der Industrialisierung für Pritzwalk ohne Frage eine Blütezeit: Zwischen 1880 und 1920 entstanden viele stadtprägende Bauwerke wie der Kirchturm Sankt Nikolai, die Post, Sankt Anna, das Gerichtsgebäude in der Parkstraße und der Bismarckturm auf dem Trappenberg. Lars Schladitz